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Berufsstart für Ingenieure – der Arbeitsmarkt nach der Krise

In diesen Branchen starten Ingenieure nach der Wirtschaftskrise durch

Von Tim Lamkemeyer

 

 

Geschäfte und Hochschulen schließen auf unbestimmte Zeit, Mitarbeiter arbeiten wochenlang im Homeoffice und immer mehr Ingenieur-Unternehmen beantragen für ihre Angestellten wegen der zu erwartenden Umsatzeinbußen Kurzarbeit. Viele von Euch fragen sich jetzt: Bekomme ich nach dem Studium überhaupt einen Job? Brechen die Ingenieur-Gehälter jetzt ein? Und ab wann kann ich wieder auf attraktive Stellenangebote anderer Unternehmen hoffen, um meine Karriere zu beschleunigen? Wir versuchen, Euch einen Ausblick zu geben und die wichtigsten Arbeitsmarkt-Fragen in dieser ungewohnten Zeit zu beantworten.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Prognose, wie es nach der Krise weitergehen könnte. Wie lange diese Ausnahmesituation dauern wird und welche Auswirkungen dadurch genau hervorgerufen werden, können auch wir (Stand April 2020) natürlich nicht voraussagen, aktualisieren diesen Text aber regelmäßig. 

Die Ausgangslage: Im Moment gibt es tatsächlich weniger Jobs

Vom Corona-Virus ist nicht nur die Gesundheit vieler Menschen betroffen, auch die wirtschaftlichen Folgen sind immens. Die zur Eindämmung der Pandemie notwendigen Social-Distancing-Maßnahmen sorgen vor allem in produzierenden Branchen, wie etwa der Automobilindustrie, für leere Betriebsstätten und Kurzarbeit.

Die wirtschaftlichen Folgen in Deutschland sind noch nicht wirklich absehbar. Sie hängen vor allem davon ab, wie lange das Covid-19-Virus noch unseren Alltag bestimmt, ab wann in den Unternehmen wieder Normalität einkehrt und inwieweit die Bundesregierung finanzielle Mittel locker macht, um den rund 725.000 Unternehmen zu helfen, die von der Krise besonders betroffen sind und derzeit für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen.

Wie schnell sich die Unternehmen nach dem Wirtschaftstief wieder erholen, hängt aber nicht nur von der Situation in Deutschland ab. Für das wirtschaftliche Überleben der produzierenden Unternehmen ist vor allem der Umsatz wichtig und der wird häufig durch Exporte überall in der Welt erzielt. Solange in den absatzstärksten Ländern des jeweiligen Betriebs die Covid-19-Ausnahmesituation besteht, kann es auch bei Unternehmen aus Deutschland weiterhin zu finanziellen Problemen kommen.

Im Vergleich zum Anfang des Jahres merken auch wir, dass die Zahl der Einstiegsjobs für Ingenieure in unserer Jobsuche um ca. 20 % zurückgegangen ist. Als Ingenieure habt Ihr aber den Vorteil, dass dieser Einbruch nicht so lange dauern wird und nicht so existentiell ist wie in anderen Branchen, sondern dass Ihr nach Corona wieder ganz gute Aussichten habt, einen Job zu finden. Im besten Fall hat die Krise eine V-Form und die Unternehmen erreichen wieder ihr ursprüngliches Produktionslevel. Das ist im Einzelfall allerdings von vielen Faktoren abhängig, wie z.B. von der bereits beschriebenen Nachfrage aus dem Ausland.

Macht Euch nicht zu große Sorgen: Als Ingenieure stehen Eure Job-Chancen immer noch gut

Es gibt Unternehmen, die gerade jetzt die Zeit danach vorbereiten und ihre Suchen nicht stoppen, sondern ihre langfristigen Ziele weiter verfolgen, kreativ anpassen und quasi gerade antizyklisch handeln. Natürlich wird sich der Arbeitsmarkt nicht von heute auf morgen wieder auf dem für Ingenieure gewohnt guten Niveau einpendeln: Die Arbeit wird in großen Produktionsunternehmen nur Schritt für Schritt wieder hochgefahren, durch die lange Zeit im Homeoffice haben sich vielleicht Strukturen oder die allgemeine Organisation geändert und es braucht wieder eine gewisse Zeit, bis sich Ingenieure, Buchhalter oder auch die produzierenden Mitarbeiter wieder in ihre Arbeit eingewöhnt haben.

Ihr habt dabei den Vorteil, dass Ingenieur-Unternehmen durch den ständigen technologischen Fortschritt in gewisser Weise daran gewöhnt sind, neue Entwicklungen zeitnah umzusetzen, Produktionsstraßen (wieder) zum Laufen zu bringen oder sich auf geänderte Rahmenbedingungen – etwa zum Umweltschutz – einzustellen. Die aktuelle Situation kann also zumindest aus unternehmerischer Sicht fast mit der Ungewissheit der Neuproduktion einer neuen KI, eines neuen Roboters oder eines neuen Automodells verglichen werden. Die Learnings der vergangenen Jahre helfen jetzt also nicht nur bei der Entwicklung und dem Vertrieb neuer Produkte, sondern nach der Ausnahmesituation auch dabei, möglichst schnell wieder in den Alltag zu finden und die finanziellen Verluste so gering wie möglich zu halten.

Die Zeit nach Corona: In diesen Branchen stehen Eure Job-Chancen gut

Manche Branchen könnten durch ein Umdenken von Behörden oder Endverbrauchern sogar gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen. Das wohl alltäglichste Beispiel für die meisten von uns ist der Trend zum bargeldlosen Bezahlen, hinter dem neben IT-Anwendungen auch eine Menge Ingenieur-Wissen etwa über NFC-Technologie steckt. Noch zu Beginn des Jahres war es etwa für viele Deutsche ungewöhnlich, Brötchen oder Kaugummis für wenige Cent mit der EC-Karte oder gar mit dem Handy zu bezahlen und viele Kioske oder Bäckereien haben auf Bargeld als einziges Zahlungsmittel gesetzt.

Wegen der potenziellen Ansteckungsgefahr durch den Griff zum Bargeld oder an die PIN-Tastatur des EC-Kartenlesers, sind viele Kunden jetzt direkt einen Schritt weitergegangen und bezahlen direkt kontaktlos – per Auflegen der Karte oder mit dem Handy. Nach einer Studie der Deutschen Kreditwirtschaft ist die Zahl der kontaktlosen Girocard-Zahlungen inzwischen auf rund 50 % gestiegen. Ende letzten Jahres lag der Wert noch bei 35 %. Der Anteil für bargeldlose Zahlungen könnte zudem bis 2025 auf unter 20 % sinken.

Gerade für Elektroingenieure und Informationstechniker schlummern in diesem Bereich noch große Potenziale, die durch die aktuelle Situation noch einmal mehr in den Fokus der Gesellschaft rücken und in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden: Der erste große Meilenstein wurde durch das veränderte Zahlungsverhalten der Verbraucher durch die Krise jetzt gelegt.

Aber auch in der Gesundheitsindustrie könntet Ihr etwa als Medizintechniker, aber auch als Maschinenbauingenieur nach der Krise durchstarten. Als Medizintechniker könnt Ihr z.B. dabei mitwirken, nach der Zertifizierung eines Corona-Impfstoffs die Herstellungsprozesse und die Abfüllung zu optimieren, oder Schnelltests zu entwickeln. Als Maschinenbauingenieure könnten Eure Aufgaben zum Beispiel darin liegen, neue Maschinen für die Herstellung von Atemschutzmasken zu konstruieren oder die additive Massenfertigung von Ventilen für Beatmungsgeräte zu optimieren. Da es aktuell Probleme bei der Beschaffung dieser wichtigen Produkte aus dem Ausland gibt, hat die Bundesregierung bereits beschlossen, nach Covid-19 wieder mehr dieser Produkte in Deutschland produzieren zu wollen – und das bietet für Euch gute Job-Perspektiven.

Die Do’s und Dont’s in der aktuellen Job-Situation

Do

  • Positiv in die Zukunft blicken
    Auch die Corona-Pandemie wird irgendwann ein Ende haben und vielleicht ganz neue Einsatzfelder schaffen, die für Deine persönliche Entwicklung und Deine Karriere spannend sein können.

  • Stell Deine Ingenieur-Skills der Allgemeinheit zur Verfügung
    Auch wenn Du gerade noch studierst, aber etwa einen 3D-Drucker zu Hause hast, kannst Du mit Deinem Wissen dabei helfen, etwa Atemmasken zu erstellen oder Vorlagen für den 3D-Druck zu entwickeln, die anschließend von anderen Privatpersonen gedruckt werden können. Du kannst aber natürlich auch Alltagsprobleme lösen, die die Ausbreitung von Covid-19 beschleunigen: Etwa wie man den direkten Hautkontakt mit dem Haltegriff des Einkaufswagens oder Türklinken vermeiden kann.

Don't

  • Jedes Job-Angebot annehmen
    Dein Unternehmen hat Kurzarbeit beantragt und Du machst Dir Sorgen, ob Du dort nach der Krise noch als Ingenieur arbeiten kannst? Dann liegt es sehr nah, dass Du allen möglichen Arbeitgebern in der Umgebung Bewerbungen zuschickst und hoffst, dass Du dort direkt einen Anschlussjob bekommst. Langfristig kann es Dich aber sehr unglücklich machen, wenn Du einen zweckdienlichen Job annimmst, der Dir eigentlich gar keinen Spaß macht. Achte also am besten darauf, dass die Stellen, auf die Du Dich bewirbst, auch wirklich zu Dir passen.

  • Dich entmutigen lassen
    Du bekommst in der aktuellen Situation nach Deinem Studium sowieso keinen Job bei Deinem Wunsch-Zulieferer oder Deinem Traum-Ingenieurbüro? Wenn Du diese Einstellung hast, könntest Du damit sogar recht haben. Aber es geht auch anders: Gib jetzt nochmal Vollgas, zeig was Du drauf hast und heb Dich damit von Deinen Kommilitonen ab.

Kurz gesagt:
  • Aktuell beantragen viele Unternehmen für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit und auch bei uns sind die ausgeschriebenen Jobs für Ingenieur-Berufseinsteiger um ca. 20 % zurückgegangen.
  • Im Ingenieurwesen habt Ihr aber den Vorteil, dass sich die Unternehmen aus Euren Fachbereichen sowieso häufig mit unbekannten Situationen und neuen Rahmenbedingungen auseinandersetzen müssen.
  • Vor allem in der Elektrotechnik, Informationstechnik, dem Maschinenbau und in der Medizintechnik sehen Eure Job-Chancen nach der Krise gut aus.
 

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