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Schutzmaske statt Autositz: Hier werden Ingenieure kreativ

Um der Gesellschaft durch die Krise zu helfen, stellen viele Unternehmen ihre Produktion um

Von Tim Lamkemeyer

 

 

Egal, welche News oder Medien man im Moment verfolgt – es sind häufig Meldungen über Kurzarbeit, Entlassungen oder ganze Unternehmergruppen, die auf eine Insolvenz zusteuern, dabei. Zweifelsfrei ist die Corona-Krise für nahezu alle Firmen eine riesige Herausforderung, die von Tag zu Tag neu bewertet werden muss und der zum Teil mit unkonventionellen und kreativen Ideen begegnet wird. Wir geben Euch einen kleinen Einblick, in welchen Branchen und Unternehmen Ingenieure gerade nicht mehr nur ihre alltägliche Arbeit verrichten, sondern etwa überlebenswichtige Produkte innerhalb weniger Tage konstruieren oder Produktionsstraßen von Grund auf neu ausrichten, um der Gesellschaft zu helfen.

Umstellung der Chemie-Produktion auf Desinfektionsmittel

Bis zu 500 Liter Desinfektionsmittel verbraucht allein die Berliner Charité pro Tag, in vielen Drogeriemärkten ist es für die private Nutzung ausverkauft und die Unternehmen kommen mit ihrer Produktion kaum hinterher. Dabei ist es in der aktuellen Situation nicht nur in Krankenhäusern besonders wichtig, eine gute Handhygiene sicherzustellen. Deshalb haben viele Chemie-Konzerne wie BASF oder Evonik einen Teil ihrer eigentlichen Produktionen heruntergefahren und nutzen die ohnehin vorhandenen Rohstoffe jetzt, um Desinfektionsmittel herzustellen. Im ersten Moment klingt das eher nach der Arbeit von Chemikern, die neue Rezepturen entwickeln – aber auch Ingenieure haben bei so einer Umstellung eine Menge zu tun.

Auf der einen Seite sind in die Produktion neuer medizinischer Produkte natürlich Chemie- und Pharmaingenieure eingespannt, aber auch die Maschinenbauer, Automatisierungs- und Werkstofftechniker in Chemie-Unternehmen tragen ihren Anteil zur Umstellung in den Fabriken bei. So besteht etwa eine große Herausforderung darin, dass die Behälter, in die die Spezialchemie normalerweise nach dem Durchlaufen der Produktion abgefüllt wird, häufig bis zu 1.000 Liter fassen – und damit etwa für Apotheken oder auch kleinere Krankenhäuser nicht zu handhaben sind.

In der Regel sind viele Abfüllanlagen in den Betrieben gar nicht für kleinere Gebinde geeignet. Deshalb müssen an dieser Stelle gleich Ingenieure verschiedenster Fachbereiche Hand in Hand zusammenarbeiten: Während die Maschinenbauer hier etwa daran tüfteln, wie sie die Abfüllanlage für kleinere Behälter optimieren können, kümmern sich die Automatisierungstechniker um die entsprechende SPS-Programmierung der einzelnen Maschinenbestandteile und die Werkstofftechniker checken, ob die bisher genutzten Tanks überhaupt auch für die Lagerung medizinischer Produkte infrage kommen.

3D-Druck für die Medizin

Je nach Filament werden 3D-Drucker häufig für den Druck von Bauteilen für Experimente, Prototypen oder Ersatzteile genutzt. Durch die Covid-19-Epidemie wird diese Technologie aber auch immer häufiger im medizinischen Bereich eingesetzt. So hat zum Beispiel das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt seine 3D-Drucker so umgerüstet, dass sie keine Raketen- oder Flugzeugmodelle mehr herstellen, sondern Schutzmasken und Ventile für Beatmungsgeräte.

Die besondere Herausforderung bestand hier vor allem darin, dass es ursprünglich keine CAD-Daten für diese medizinisch notwendigen Produkte gab und genaue Spezifikationen gefehlt haben. Auf der einen Seite mussten an dieser Stelle also Werkstofftechniker an optimalen Filament-Eigenschaften tüfteln, auf der anderen Seite mussten aber auch Maschinenbauingenieure Konstruktionspläne und CAD-Daten erstellen, um eine Druckvorlage für die Erstellung einsatzsicherer Ventile und Schutzmasken zu liefern.

Neben kompletten Neuentwicklungen sind kreative Ingenieure aber auch auf skurrile – und funktionierende! – Ideen gekommen, wie sie Krankenhäuser per 3D-Druck mit wichtigen Hilfsmitteln versorgen können. So hat beispielsweise ein italienisches Unternehmen die inzwischen weit verbreiteten Vollgesichts-Schnorchelmasken mit Ventilen aus dem 3D-Drucker versehen und sie so zumindest zu einem improvisierten Medizingerät gemacht.

Das letzte Beispiel zeigt schon: In der aktuellen Situation wird alles an medizinischen Produkten gebraucht, was kurzfristig von professionellen Ingenieuren hergestellt werden kann – auch, wenn es nicht von extra zertifizierten Herstellern kommt. Die oft aufwändigen Zertifizierungsverfahren dauern schlicht zu lange. Wenn Du Dich für den 3D-Druck interessierst und selbst Masken oder Ventile herstellen möchtest, kannst Du Dich etwa bei der Initiative “Maker vs. Virus” engagieren. Sie wurde von einer gemeinnützigen DIY-Werkstatt ins Leben gerufen. Hier kannst Du in virtueller Gesellschaft von rund 5.500 anderen Bastlern per 3D-Druck gegen Covid-19 ankämpfen.

Schutzmaske statt Autositz oder Turnschuh

Die Förderbänder in der Automobilindustrie stehen im Moment bei vielen Herstellern still, auch viele große Bekleidungsmarken haben ihre Stores noch nicht wieder geöffnet und sorgen so für einen Auftragsrückgang bei den Zulieferern: Um die Umsatzeinbußen möglichst gering zu halten und gleichzeitig auf die wirklich wichtigen Bedürfnisse der Gesellschaft einzugehen, stellen etwa Automobilkonzerne, aber auch zahlreiche Textilunternehmen, gerade ihre Produktion um. Das wohl am häufigsten hergestellte Medizinprodukt sind dabei die textilen Schutzmasken für medizinisches Personal.

In der aktuellen Corona-Situation werden diese etwa von Brautkleid- oder Schuh-Produzenten hergestellt. Aber auch klassische Ingenieur-Unternehmen wie Automobilzulieferer nutzen ihre Kompetenz, um etwa neben Autositzbezügen oder Airbags auch Masken und Schutzbekleidung für medizinisches Personal in den Krankenhäusern herzustellen.

Obwohl die notwendigen Maschinen für die Produktion zwar in den meisten Fällen, wie auch bei den chemischen und pharmazeutischen Unternehmen, bereits vorhanden sind, bedeutet die Umstellung auf eine ganz andere Produktreihe für Ingenieure jede Menge Arbeit. So müssen sie etwa bei der Herstellung von medizinischen Produkten deutlich höhere Hygiene-Standards sicherstellen und zum Teil Stoffe verwenden, die eine Neueinstellung der einzelnen Maschinenteile erfordern, um optimal verarbeitet werden zu können. Auch in diesen Fällen arbeiten wieder Ingenieure aus den Fachbereichen Automatisierungstechnik, Maschinenbau, Werkstoff- und Verfahrenstechnik eng zusammen, um am Ende ihren Teil zur Bekämpfung des Virus beizutragen.

Kurz gesagt:
  • Für viele Unternehmen gibt es aktuell die Möglichkeit, abseits oder sogar anstelle des eigentlichen Kerngeschäfts medizinisch notwendige Produkte herzustellen und so auf der einen Seite der Gesellschaft zu helfen, aber auch die Mitarbeiter weiter beschäftigen zu können.
  • Bei der Umstellung der Produktion sind in vielen Fällen Ingenieure unterschiedlicher Fachbereiche involviert und sorgen etwa dafür, dass Produktionsschritte angepasst, die richtigen Produkte verarbeitet und anschließend hygienisch verpackt werden.
  • Auch wenn Du noch studierst, kannst Du Deine Ingenieur-Skills dafür nutzen, um die Gesellschaft im Kampf gegen Corona zu unterstützen.
 

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