Tanja Aurich, Projektsteuerin

Tanja Aurich, Projektsteuererin

Meine Korridorsanierung umfasste eine 160 km lange Strecke, die für die Sanierung zehn Wochen gesperrt wurde.


Was hat dich ursprünglich zur Deutschen Bahn geführt und was hat dich davon überzeugt, hier zu starten?

Ich war bis vor gut drei Jahren Projektleiterin in einem Hannoveraner Ingenieurbüro und habe Projektteams geleitet, die für die Stadtbahn Hochbahnsteige und Trassenverlängerungen geplant und gebaut haben. Nach acht Jahren war ich bereit für die nächsten beruflichen Herausforderungen. Man wächst schließlich immer mit neuen Aufgaben. Mein Mann und ein sehr guter Freund von uns arbeiten seit Jahren bei der Deutschen Bahn, sodass ich die DB als Arbeitgeberin bereits kannte. Als unser Freund vor drei Jahren ein neues Projektteam für Korridorsanierungen gesucht hat, habe ich die Chance des Jobwechsels genutzt. Ich bereue den Wechsel nicht.

Was genau machst du als Projektsteuerin? Welche Aufgaben gehören zu deinem Arbeitsalltag und wofür trägst du Verantwortung?

Die klassischen Aufgaben einer Projektsteuerin sind die Termin- und Aufgabenverfolgung. Die DB hat viele interne KPIs (Key Performance Indicators), um Projekte zu monitoren, die regelmäßig überwacht werden müssen. In unserem Korridorsanierungsteam haben wir Projektsteuerer:innen aber noch zusätzliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten: Wir arbeiten mit den Projektleiter:innen und Projektteams auf Augenhöhe und bringen so unseren Projektauftrag als Team gemeinsam zum Erfolg. Somit ist das Aufgabenfeld viel größer und auch spannender, als ich es im Vorfeld vermutet habe. Außerdem sind Planen und Bauen bei der DB eine Königsdisziplin und es wird bei unseren Korridorsanierungen nie langweilig.

Wie läuft ein typisches Projekt bei dir ab – von der Übernahme bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme?

In Korridorsanierungen werden viele Gewerke parallel geplant und in einer Sperrpause umgesetzt. Je nach Vorlaufzeit können unterschiedliche Gewerke in unterschiedlichen Leistungsphasen parallel laufen. Einen „typischen“ Projektablauf in Korridorsanierungen zu beschreiben ist daher schwierig. Aber natürlich werden immer die klassischen HOAI-Leistungsphasen durchlaufen. Was aber meist feststeht, ist der Starttermin der Sperrzeit, so dass man auf einen feststehenden Termin hin planen und ausschreiben muss, der i. d. R. nicht verschoben werden kann. Jede Ausschreibung, die beim ersten Mal nicht vergeben werden kann, tut im Terminplan richtig weh. Wenn die Totalsperrung erst einmal begonnen hat, werden auch schon die Abnahmen und die IBN geplant. So rast man in Korridorsanierungsprojekte durch die HOAI-Leistungsphasen 2 bis 8 wie im Sauseschritt.

Mit welchen Menschen und Fachbereichen arbeitest du im Projekt zusammen? Welche Gewerke und externe Partner:innen spielen dabei eine Rolle?

Mein Team beinhaltet Projektingenieur:innen aller Gewerke, da Korridorsanierungen gewerkeübergreifend sind. Somit bekomme ich hier Einblicke in jeden Fachbereich und lerne die Gewerke und ihre Abläufe kennen, um Terminketten aufzustellen und die Aufgaben nachzuverfolgen. In puncto externe Partner:innen arbeiten wir u. a. mit gewerkespezifischen Planungsbüros, diversen Baufirmen und Bauüberwachungsfirmen sowie externen Projektsteuerungsbüros zusammen. Alle Beteiligten müssen koordiniert und aufeinander abgestimmt werden.

Was macht Projekte bei der Deutschen Bahn besonders – und was unterscheidet sie von Projekten in anderen Unternehmen oder Branchen?

Besonders sind u.a. die Dimensionen: Meine Korridorsanierung umfasste eine 160 km lange Strecke, die für die Sanierung zehn Wochen gesperrt wurde. Da kann man mehr bewirken als mit vielen kleinen Sperrungen. Eine weitere Herausforderung beim Bauen bei der Deutschen Bahn ist die Logistik: das richtige Material muss just in time am richtigen Ort sein. Das ist meist eine herausfordernde Aufgabe bei Streckenbaustellen, auf denen zum einen parallel gebaut wird und die zum anderen oft nur sehr schwer von außen erreichbar bzw. erschlossen sind. Eine weitere Besonderheit sind die Zugsicherungssysteme, die zum einen bei der Bahn sehr komplex, aber natürlich auch sehr wichtig sind und zum anderen nach jeder Inbetriebnahme wieder voll funktionsfähig sein müssen.

Was macht deinen Job als Projektsteuerin für dich persönlich besonders? Was motiviert dich an deiner Arbeit?

Ich fühle mich als Projektsteuerin wie ein Rädchen in meinem Team, dass in kurzer Zeit viel leisten muss – das ist ab und zu sehr anstrengend, macht aber bei Erfolgserlebnissen auch sehr viel Spaß. Meine Kolleg:innen sind super und das Erfolgsergebnis motiviert und gibt neuen Schwung für die nächsten Korridorsanierungen.

Was würdest du Bewerber:innen raten, die sich für einen Einstieg im Projektmanagement bei der Deutschen Bahn interessieren?

Seid offen für alle Themen und scheut euch nicht zu fragen. Weiterhin rate ich allen neuen Kolleg:innen zu Beginn ihrer Tätigkeit, sich schnell ein DB-internes Netzwerk aufzubauen. Es gibt immer jemanden, der jemanden kennt, der bei Fragen weiterhelfen kann. Die Themen bei der DB können sehr komplex sein und manchmal muss man sich durchbeißen, um sie zu verstehen oder die richtige Antwort zu erhalten. Hierfür wünsche ich jedem:jeder ein gesundes Durchhaltevermögen. Und die Bahnwelt liebt Abkürzungen – es gibt fast nichts, was nicht abgekürzt wird. Das kann ab und zu dazu führen, dass man glaubt, es wird in einer anderen Sprache gesprochen ;-) aber auch hier kommt man schnell rein und nach kurzer Zeit spricht man genauso. Ansonsten schaut, dass ihr gemeinsam mit dem:der Projektleiter:in das Team zusammenzubringt und zusammenhaltet, um maximalen Erfolg zu erzielen und die Projekte gemeinsam über die Ziellinie zu tragen.

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