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Das Gehalt ist im Ingenieur-Job nicht alles

Interview mit Dr. Markus Focke, Startup-Gründer und Hochschuldozent

Von Tim Lamkemeyer

 

 

In seinem Podcast ROCKETENGINEERS spricht Lennard Hermann alle 2 Wochen mit erfahrenen Ingenieuren, Führungskräften oder Beratern über die wichtigsten Learnings auf ihrem Berufsweg. Lennard hat an der RWTH Aachen mit einem Zwischenstopp in Kanada Maschinenbau studiert und arbeitet aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fertigungstechnik.

Diese Woche erfährst Du von Dr. Markus Focke, wie sich der Arbeitsalltag in einem Konzern von der Arbeit in einem Startup unterscheidet, wieso ihm die Arbeit als Hochschuldozent so viel Spaß macht und warum das Gehalt nicht das einzige ist, worauf Du bei einem Jobangebot achten solltest. Markus hat an der Hochschule Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Inzwischen ist er Co-Founder von einem Industrial IoT-Startup und Professor für Operations Management an der FH Aachen.



Dr. Markus Focke


Experten-Tipp: Such Dir einen Job, der Dich glücklich macht und achte nicht nur auf das Gehalt

ROCKETENGINEERS: “Hast Du ein paar Entscheidungskriterien oder Dinge die wichtig sind, wenn ich entscheiden möchte, ob ein Job oder ein Unternehmen etwas für mich ist? Dabei spielen ja oft z.B. der Dienstwagen und das Gehalt eine große Rolle.”

Dr. Markus Focke: “Gehalt und Dienstwagen sind, glaube ich, so das Unwichtigste, was ich mir vorstellen kann. Die Jobentscheidung vom Gehalt abhängig zu machen, ist die kurzfristigste und blödeste Entscheidung, die man für sich persönlich treffen kann. Man sollte sich jetzt nicht total unter Wert verkaufen, aber mit einem Hochschulstudium und einem Masterabschluss steige ich irgendwo zwischen 45.000 und 50.000 € ein. Das ist alles total egal.

Ob ich 45.000 € im Jahr verdiene oder 55.000 € – was bestimmt das? Vielleicht, ob ich mir 2 Pullover mehr kaufe oder ob meine Wohnung 10 oder 20 Quadratmeter mehr hat oder ob ich einen besseren Urlaub habe. Aber glücklicher macht mich das nicht. Insofern sollte das kein Entscheidungskriterium sein. [...]”

So setzt Du es um: Überlege, was Dich langfristig wirklich glücklich macht

Ein Jahresgehalt von 100.000 € aufwärts und der dicke Firmenwagen: Manche Ingenieure denken recht schnell über einen Jobwechsel nach, wenn sie mit solchen Anreizen von einem anderen Unternehmen gelockt werden. Wenn Du Dich für oder gegen einen neuen Job entscheidest, solltest Du Dich aber nicht von diesen rein materiellen Werten beeinflussen lassen, sondern etwas genauer hinterfragen, was Dir wichtig ist. Kriterien, wieso Du Dich für oder gegen einen Job entscheiden kannst, könnten z.B. auch die folgenden sein:

  • der Standort, an dem Du eingesetzt wirst,
  • die Rahmenbedingungen, unter denen Du arbeitest,
  • die Aufgaben, die Du in Deinem Arbeitsalltag hast.

Passt der Unternehmensstandort zu Deinen Vorstellungen?

Im Ingenieurwesen in Deutschland gibt es ein klares Gehaltsgefälle: Im Süden verdienst Du mehr als im Norden und im Westen fällt Dein Gehalt höher aus als im Osten. Wenn Du aber z.B. ein richtiger Familienmensch oder seit Jahren Führungsspieler im Fußballverein bist, musst Du für Dich entscheiden: Sind es Dir 5.000 € im Jahr wirklich wert, dass Du in der Heimat alle Zelte abbrichst und zu einem Automobil-Zulieferer oder Maschinenbauunternehmen in einem anderen Bundesland wechselst? Wenn Du tatsächlich über einen Umzug nachdenkst, solltest Du in Deine Entscheidung natürlich auch nahestehende Personen wie Deinen Partner einbeziehen.

Wenn Du Dir noch unsicher bist, ab welchem Gehaltsunterschied für Dich ein Umzug infrage kommt, lohnt sich für Dich ein Blick in unsere Gehaltsstatistik. Dort haben wir für Dich recherchiert, wie hoch Dein Ingenieur-Gehalt je nach Bundesland, Branche oder Unternehmensgröße ausfallen wird.

Welche Rahmenbedingungen brauchst Du?

In den meisten Fällen verdienst Du bei global Playern wie großen Flugzeugherstellern mehr als beim kleinen Erstausrüster. Dafür ist aber die Atmosphäre in den kleineren Unternehmen oft familiärer geprägt, Du kannst bei dringenden Entscheidungen direkt auf den Geschäftsführer zugehen oder Dich in den gemeinsamen Mittagspausen mit Deinen Kollegen aus ganz anderen Fachbereichen austauschen. Im Konzern dagegen hast Du vorgegebene Strukturen und besonders gute Karrieremöglichkeiten – häufig allerdings auch eine stärker ausgeprägte Ellenbogenmentalität.

Zu den Rahmenbedingungen gehören aber nicht nur die Größe des Unternehmens, sondern auch Faktoren wie die Arbeitszeitregelung. Wenn Du z.B. eher ein Langschläfer bist, kann eine Gleitzeit- oder Vertrauensarbeitszeit im Unternehmen Dich in Deinem normalen Rhythmus unterstützen. Bei einem Arbeitgeber mit höherem Gehalt und strikten frühen Arbeitszeiten kommst Du dagegen wahrscheinlich jeden Morgen mies gelaunt an die Produktionsstätte oder in Dein Forschungslabor.

Findest Du den Aufgabenbereich spannend?

Je nach Branche kann Dein durchschnittliches Jahresgehalt bis zu 6.000 € höher oder niedriger ausfallen. Wenn Du Dich als Elektroingenieur aber für die Forschung an neuen Kommunikationstechnologien interessierst, wirst Du wahrscheinlich in der deutlich besser zahlenden Automobilindustrie nicht wirklich glücklich.

Genauso sieht es auch mit dem Berufsfeld aus, in dem Du arbeitest. Wenn Du etwa als Bauingenieur ins Berufsleben startest, musst Du Dich nach einigen Jahren im Job entscheiden, ob Du zum Bauleiter werden möchtest, oder eher zum Fachexperten für die CAD-Objektplanung. Überleg Dir also vor der Zusage zu einem neuen Job, ob Du Dich langfristig im Projektmanagement siehst oder doch eher fachlich tiefer in Dein Thema eintauchen möchtest. Neben den Skills, die Du für einen Job mitbringst, ist nämlich vor allem entscheidend, dass Du ihn mit Überzeugung und Spaß ausübst.

Einen überdurchschnittlich hoch bezahlten Job auszuschlagen fällt natürlich nicht leicht. Bevor Du Dich endgültig für oder gegen eine Stelle entscheidest, solltest Du Dir aber klar machen, welche Bedingungen für Dich – neben einem angemessenen Gehalt – erfüllt sein müssen, wo Du Dir einen Kompromiss vorstellen kannst und was an einem Unternehmen oder Job für Dich ein No-Go ist. Eine Jobentscheidung auf Basis dieses persönlichen "Koordinatensystems" wird Dich langfristig sehr wahrscheinlich glücklicher machen, als die kurze Freude beim Blick auf die Gehaltsabrechnung.

Das ganze Interview im Podcast anhören

Markus Focke hat in seiner Karriere bereits in Konzernen gearbeitet, ein eigenes Startup gegründet und ist Dozent an der FH Aachen. In Folge #59 im ROCKETENGINEERS Podcast erfährst Du von ihm, worin sich die Arbeit in Konzernen und kleineren Unternehmen unterscheidet, wieso die Arbeit als Professor an der FH sein absoluter Traumjob ist und wieso Du bei jedem Jobwechsel schon an Deinen nächsten und übernächsten Job denken solltest.

Darum geht's in Folge #59:
  • 01:00 – Markus Focke stellt sich vor
  • 03:45 – Wie unterscheidet sich der Arbeitsalltag in einem Konzern von der Arbeit im Startup?
  • 06:15 – Welche strukturellen Besonderheiten gibt es in verschiedenen Unternehmen?
  • 07:45 – Wie kann man herausfinden, ob man eher der Konzern- oder Startup-Typ ist?
  • 09:45 – Wie wichtig ist es, schon in der Uni Praxiserfahrung zu sammeln?
  • 12:00 – Hilft Konzernerfahrung dabei, ein erfolgreicher Ingenieur zu werden?
  • 16:00 – Ist der Weg vom Konzern zu einem kleinen Unternehmen leichter, als andersrum?
  • 19:15 – Wie sieht die Arbeit als Professor an einer Hochschule aus?
  • 25:30 – Worauf sollte man achten, wenn man sich für oder gegen einen Job entscheidet?
  • 31:45 – Welche Buchempfehlung hat Markus Focke?
  • 34:30 – Was kann man ab morgen anders machen, um seiner Karriere neuen Schwung zu verleihen?

    Gesamtlänge der Folge: 38:00 Min
 

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