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Der Austausch mit den Kollegen ist ein Erfolgsrezept

Interview mit Kenneth Sundberg, Maschinenbauingenieur und Director of Marketing and Sales

Von Tim Lamkemeyer

 

 

In seinem Podcast ROCKETENGINEERS spricht Lennard Hermann alle 2 Wochen mit erfahrenen Ingenieuren, Führungskräften oder Beratern über die wichtigsten Learnings auf ihrem Berufsweg. Lennard hat an der RWTH Aachen mit einem Zwischenstopp in Kanada Maschinenbau studiert und arbeitet aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fertigungstechnik.

Diese Woche erfährst Du von Kenneth Sundberg, was ihn am Fertigungsverfahren Zerspanung fasziniert, welche Gründe ihn dazu gebracht haben, den Arbeitgeber zu wechseln und wie er mit Phasen umgeht, in denen die Arbeit mal nicht so leicht von der Hand geht. Er arbeitet inzwischen als Director of Marketing and Sales und Mitglied der Geschäftsführung bei der esco GmbH, einem Hersteller von Softwareprodukten für Schneid- und Verzahnungswerkzeuge.




Kenneth Sundberg


Experten-Tipp: Bleib auch nach dem Studium offen für neues Wissen

ROCKETENGINEERS: “Welche Erkenntnisse hast Du heute gesammelt, die Dir schon früher in Deiner Karriere weitergeholfen hätten?”

Kenneth Sundberg: “Die Erfahrung, die ich heute habe, ist sehr wichtig – und auch Netzwerke zu haben. Das habe ich am Anfang nicht direkt verstanden. Und es ist wichtig zu wissen, dass viele Dinge sehr komplex sind und es nicht immer nur eine richtige Antwort gibt. Es gibt immer Alternativen.

Als ganz junger Ingenieur habe ich gedacht: ‘Ich weiß, wie das funktioniert’, und war ziemlich selbstsicher. Aber dann habe ich mit Situationen in der Zerspanung zu tun gehabt, bei denen andere Resultate rausgekommen sind und ich musste meine Position etwas verändern. Ich würde da nicht mehr so selbstsicher sein.”

So setzt Du es um

Nach Deinem Uni-Abschluss bist Du auf dem neuesten fachlichen Stand der Hochspannungsübertragungstechnik, im Stahl- oder dem Apparatebau. Wenn Du dann als Absolvent im Unternehmen durchstartest, solltest Du allerdings nicht direkt den Anspruch haben, die gesamte Produktionsstraße zu optimieren oder neue Fertigungsverfahren einzuführen, von denen Du im Studium nur Gutes gehört hast. In vielen Unternehmen sind die bestehenden Prozesse über Jahre gewachsen – und nur, weil Du es in der Uni oder bei Deinem Werkstudentenjob anders kennengelernt hast, müssen die Abläufe oder eingesetzten Technologien bei Deinem neuen Arbeitgeber nicht gleich “schlechter” sein.

Natürlich ist es als Ingenieur immer Dein Wunsch und auch Deine Aufgabe, Fehlertoleranzen zu senken oder die Produktionskapazität zu erhöhen. Bevor Du allerdings mit Deinen Optimierungen beginnst, ist es sinnvoll, Dich auch mit den Mitarbeitern zu unterhalten, die bereits länger im Job – und im Unternehmen – sind als Du. Auf der einen Seite können sie Dir z.B. einen praktischen Einblick geben, wieso noch das Vorgängermodell einer CNC-Fräse im Einsatz ist und nicht auf die allerneueste Technik umgestellt wurde. Es gilt also erstmal: Zurückhalten, zuhören, Informationen und Erfahrungswissen sammeln.

Da die dienstälteren Kollegen häufig direkt an den Entscheidungen in der Vergangenheit beteiligt waren, können sie Dir ganz genau die Hintergründe und Vorteile der aktuell verwendeten Verfahren oder Maschinen erklären. Denn: Das meiste Fachwissen und die Eigenheiten der produzierten Produkte lernst Du erst in der Praxis richtig kennen. In ersten Fachgesprächen kannst Du Dich mit Deinen Kollegen darüber austauschen, an welchen Stellen ihr altbewährte Verfahren oder Prozesse mit Deinem hochaktuellen Wissen kombinieren könntet, wo es sinnvoll ist, auf Bewährtes zu setzen und Du kannst Deine Optimierungsideen im Anschluss fundiert an Deinen Vorgesetzten herantragen.

Auf der anderen Seite zeigst Du Deinen Kollegen mit einem unvoreingenommenen Gespräch aber auch, dass Du Dich für ihre Arbeit, die Prozesse und die Erfolge in der Vergangenheit interessierst und ein echtes Verständnis dafür bekommen möchtest, bevor Du eigene Ideen einbringst. Sie fühlen sich dadurch direkt wertgeschätzt und Du kannst Dir nach und nach ein Netzwerk im Unternehmen bauen, das Dich in den kommenden Jahren im besten Fall informell über offene Führungspositionen, potenzielle Fehlerquellen oder aktuelle Forschungsergebnisse auf dem Laufenden hält.

Das ganze Interview im Podcast anhören

Kenneth Sundberg vereint die schwedische und deutsche Führungskultur zu seinem ganz eigenen Management-Stil. In Folge 65 im ROCKETENGINEERS Podcast erzählt er Dir, wieso er auch nach 35 Jahren immer noch von der Zerspanungsindustrie begeistert ist, wie er mit Phasen umgeht, in denen die Arbeit ihm weniger Spaß macht und welche Eigenschaften aus seiner Sicht am meisten zum Erfolg im Ingenieurwesen beitragen.

Darum geht’s in Folge #65:
  • 01:15 – Kenneth Sundberg stellt sich vor
  • 06:30 – Wieso ist die Zerspanung so spannend?
  • 10:00 – Was hat bei ihm zum Unternehmenswechsel geführt?
  • 12:15 – Gibt es den Punkt, an dem man nicht noch mehr Verantwortung übernehmen möchte?
  • 15:45 – Wie sollte man mit Phasen umgehen, in denen die Arbeit schwerer von der Hand geht?
  • 19:00 – Was weiß Kenneth heut, was ihn schon früher weitergebracht hätte?
  • 21:15 – Welchen Unterschied gibt es zwischen dem schwedischen und dem deutschen Führungsstil?
  • 25:00 – Welche Eigenschaften machen Ingenieure erfolgreich?
  • 29:00 – Was kann man ab morgen anders machen, um der Karriere neuen Schwung zu verleihen?

    Gesamtlänge der Folge: 30:40 Min
 

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