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Das Assessment Center für Ingenieure

Mit diesen Aufgaben musst Du rechnen und so bereitest Du Dich optimal vor

Von Tim Lamkemeyer

 

 

Deine Bewerbungsunterlagen haben überzeugt und im Vorstellungsgespräch hast Du Dich gut verkauft – eigentlich könntest Du jetzt direkt in Deinen ersten Ingenieur-Job einsteigen, oder?! In kleinen und mittelständischen Unternehmen hast Du mit dieser Abfolge meistens recht. Wenn Du Dich aber bei einem Konzern beworben hast, musst Du nach dem Bewerbungsgespräch oft auch noch in einem Assessment Center (AC) zeigen, dass Du im direkten Vergleich zu anderen Bewerben die optimale Besetzung für die Stelle bist. Wir geben Dir einen Einblick, welche Aufgaben Dich hier als Ingenieur erwarten und wie Du Dich am besten auf sie vorbereitest.

Was ist ein Assessment Center?

Das AC ist ein psychologisches Testverfahren, bei dem geguckt wird, ob Du Dich für die ausgeschriebene Stelle besser eignest als Deine Mitbewerber. Weil Du als Ingenieur schon beim Berufseinstieg ein im Vergleich zu vielen anderen Berufsgruppen hohes Gehalt bekommst, wollen die Personalverantwortlichen sichergehen, dass die ausgeschriebene Stelle mit dem bestmöglichen Bewerber besetzt wird. Um herauszufinden, wer das ist, werden nach den Vorstellungsgesprächen alle Bewerber, die es in die engere Auswahl geschafft haben, zum Assessment Center eingeladen.

Bei diesem 1–3-tägigen Termin trittst Du in Rollenspielen, Simulationen, Gesprächen und bei Tests gegen Deine Mitbewerber an. Die Methoden zur Einschätzung der Persönlichkeit können sich unterscheiden, je nachdem welche psychologischen Modelle und Theorien bei der Personalauswahl herangezogen werden. Der Leiter des Assessments Centers achtet insgesamt vor allem darauf, wie teamfähig Du bist (besonders in dieser Ausnahmesituation bei der Arbeit mit Deinen Konkurrenten), wie Du komplexe Fragestellungen bearbeitest (das Ergebnis zählt oft weniger als Deine Herangehensweise an ein Problem) und ob Du Soft Skills wie etwa eine gute Präsentationstechnik oder Führungspersönlichkeit mitbringst.

Welche Aufgaben kommen im Assessment Center auf Ingenieure zu? 

Was Du im AC machen musst, hängt vom Fachbereich, Deinem Berufsfeld und der Position ab, in der Du beim Unternehmen einsteigen möchtest. Wenn Du also z.B. Fahrzeugtechnik studiert hast und im Qualitätsmanagement einsteigen möchtest, sehen Deine Aufgaben anders aus, als wenn Du Dich als Umweltingenieur auf eine Projektmanager-Stelle bewirbst – und wenn Du dann nach ein paar Jahren Führungskraft werden möchtest, fällt das AC wieder anders aus. Übergreifend gibt es aber 5 Aufgaben-Kategorien, die in nahezu jedem Assessment Center der Reihe nach abgedeckt werden:

  • Selbstpräsentation, in der Du Dich Deinen Mitbewerbern und dem oder den Personalverantwortlichen kurz vorstellst. Geh dabei z.B. mit einer persönlichen Geschichte darauf ein, wieso für Dich als Studienfach nur der Maschinenbau oder die Elektrotechnik infrage kam, wo Du bis jetzt Praxiserfahrung gesammelt hast und welche Stärken Du für die Position mitbringst. Bei Deiner Vorstellung solltest Du authentisch und selbstbewusst sein – das ist zwar leichter gesagt als getan, aber wenn Du den Blickkontakt zu den Mitbewerbern und Personalverantwortlichen hältst und es vermeidest, Dir nervös in den Haaren rumzuspielen oder mit dem Kugelschreiber zu klicken, hast Du schon eine gute Grundlage geschaffen. Und sei Dir sicher: Alle Teilnehmer sind nervös. Deshalb empfehlen wird Dir, Deine Performance vorher mit Freunden oder Deiner Familie zu üben. 
  • Wissenstests, etwa zur Geotechnik, angewandter Mathematik oder Rastermikroskopie. Dieses Fachwissen hat zumindest bei Deinem Berufsstart einen besonders großen Einfluss darauf, ob Du den Job tatsächlich bekommst. Wenn Du Dich nach ein paar Jahren dann auf eine Führungsposition bewirbst, werden etwa Deine Führungspersönlichkeit oder Deine Präsentationstechnik stärker gewichtet als z.B. Dein Detailwissen über Quantenmechanik.
  • Persönlichkeitstests, bei denen Du Fragen rund um Deine Person beantworten musst. Das Ziel dieser Tests besteht darin, herauszufinden, in welcher Rolle im Team oder im gesamten Unternehmen Du Deine Skills besonders erfolgreich und gewinnbringend einsetzen kannst. Etabliert hat sich der “Big Five”-Test mit den Persönlichkeitsmerkmalen Offenheit (Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem), Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus), Extraversion (Geselligkeit), Verträglichkeit (Rücksichtnahme) und Neurotizismus (emotionale Labilität). Hier musst Du Dich bei Aussagen wie etwa “Ich bin tiefsinnig und denke gern über Dinge nach” oder “Ich schätze künstlerische und ästhetische Eindrücke” selbst auf einer Skala von “zutreffend” bis “unzutreffend” einschätzen. Wichtig ist bei diesem Test, dass Du eine ehrliche Einschätzung abgibst und nicht so antwortest, wie Du es für erwünscht hältst – denn es gibt keine “guten” oder “schlechten” Antworten, sondern einfach unterschiedliche Merkmalsausprägungen.
Persönlichkeitsdiagram für Führungskräfte

So kann die Auswertung bei einem Persönlichkeitstest für Führungskräfte aussehen. Die gestrichelte und die blaue Linie zeigen zwei unterschiedliche Merkmalsausprägungen.


  • (Gruppen-)Übungen, in denen Du etwa als angehender Entwicklungsingenieur mit Deinen Mitbewerbern Testverfahren für einen neuen Werkstoff oder als Produktionsingenieur ein Konzept für eine neue Produktionsanlage erarbeiten sollst. Dabei ist die Aufgabenstellung aber meist nur ein Vorwand, um Deine Kommunikations- und Teamfähigkeit zu testen. Du solltest also darauf achten, in der entstehenden Diskussion nicht unterzugehen. Präsentiere Deine Meinung, aber beharre nicht darauf und gehe auf die Argumente Deiner Mitbewerber ein. Wenn Du Dich etwa auf einen Job als Projektmanager bewirbst, solltest Du auch derjenige sein, der direkt die koordinierende Rolle übernimmt und aufkommende Diskussionen moderiert. Einen besonderen Pluspunkt kannst Du Dir verschaffen, wenn Du Dir trotz aller Aufregung die Namen Deiner Mitbewerber gemerkt hast und sie persönlich ansprichst.
  • Gespräche, in denen Du dem Leiter des Assessment Centers ähnlich wie im Bewerbungsgespräch gegenübersitzt und z.B. reflektieren sollst, wie das AC bis jetzt für Dich gelaufen ist, an welchen Stellen Du Deine Stärken und Schwächen siehst oder warum Du Dich dafür entschieden hast, eine bestimmte Aufgabe genau so zu bearbeiten, wie Du es gemacht hast. Versuch in diesem Gespräch aber auf keinen Fall, Deine Schwächen wie etwa ein nicht optimales Zeitmanagement bei der Gruppenübung zu vertuschen, sondern sprich sie lieber offensiv an, damit Dein Gegenüber sieht, dass Du ein realistisches Selbstbild hast. Kleiner Tipp am Rande: Häufig üben Personaler in dieser Situation starke Kritik an Deinem Auftreten oder an Deiner Arbeit. Nimm das nicht persönlich, denn sie versuchen ganz bewusst, Dich etwas zu provozieren und damit herauszufinden, wie kritikfähig Du bist.

Bei den verschiedenen Aufgaben geht es nicht nur darum, dass am Ende ein möglichst gutes Ergebnis rauskommt. Der Weg dahin ist mindestens genauso wichtig, denn der Leiter des Assessment Centers möchte nicht nur Dein fachliches Wissen testen, sondern beobachtet auch ganz genau Deine Arbeitsweise. Er guckt etwa, wie selbstbewusst Du in den Gruppenarbeiten agierst, ob Du unter Zeitdruck cool bleibst oder in stressigen Rollenspielen Deine Beherrschung verlierst. Im Assessment Center kommt es also nicht nur auf Deine Hard Skills an (die lassen sich vergleichsweise einfach auf die Probe stellen), sondern auf die Soft Skills, die Du mit ins Team bringst.

Wie kann ich mich am besten auf das Assessment Center vorbereiten?

Wie im gesamten Bewerbungsprozess ist auch vor dem AC die Vorbereitung besonders wichtig – organisatorisch und inhaltlich.

Organisatorische Vorbereitung

  • Plane Deine Anreise
    Wenn das Assessment Center nicht in Deiner Stadt stattfindet, solltest Du Dir so früh wie möglich überlegen, wie Du anreist und ob vielleicht sogar Hotelübernachtungen notwendig sind. Gesetzlich ist es so geregelt, dass der zukünftige Arbeitgeber diese Kosten übernimmt. Du solltest aber mit Deinem Ansprechpartner klären, ob es etwa ein Hotel gibt, in dem alle Teilnehmer untergebracht werden, oder ob Du selbst eine Unterkunft raussuchen musst – und in welchem Kostenrahmen sie sich bewegen sollte.

  • Sammle Hintergrund-Infos
    Ein Assessment Center ist für jeden Bewerber eine ungewohnte und neue Situation. Du solltest deshalb bei Deinem Ansprechpartner im Unternehmen nachfragen, was genau auf Dich zukommt: Wie sind die Tage strukturiert? Welche Mitarbeiter aus dem Unternehmen führen das AC durch? Gibt es einen bestimmten Dresscode?

  • Zieh Dich dem Anlass entsprechend an
    Du hast Dich wahrscheinlich schon beim Vorstellungsgespräch gefragt, ob Du Jacket und Krawatte tragen sollst oder ob das legere Jeanshemd ausreicht. Obwohl auch bei Ingenieuren inzwischen in vielen Unternehmen der Dresscode gelockert wird, solltest Du Dich im AC eher auf die konservative Variante einstellen: Bei Männern wird immer noch gern der Anzug gesehen, als Frau hast Du etwas mehr Auswahl beim Kostüm mit Hose oder Rock. Generell gilt immer: Lieber overdressed als underdressed – und Dein Jacket oder Deinen Blazer kannst Du etwa bei den anstehenden Übungen auch mal ablegen.

Inhaltliche Vorbereitung

  • Schau Dir das Unternehmen intensiv an
    Du hast Dich natürlich schon bei der Bewerbung und vor dem Vorstellungsgespräch mit Deinem potenziellen neuen Arbeitgeber auseinandergesetzt. Vor dem AC solltest Du aber nochmal ganz genau hingucken: Wenn Du etwa in einem Instagram-Post einen Hinweis darauf findest, mit welchem CAD-Programm gearbeitet wird, kannst Du Dir vielleicht noch ein paar Kniffe dazu aneignen oder wenn gerade ein neuer Roboterarm vorgestellt wurde, kannst Du Dein Wissen darüber mal am Rande in einem Gespräch einbringen und so zeigen, dass Du Dich wirklich mit dem Unternehmen beschäftigt hast.

  • Bereite Dich auf die Prüfungssituation vor
    Auch wenn Du natürlich nicht 100 %ig weißt, welche Aufgaben Du meistern musst, kannst Du die Basics vorher üben. Die zu Beginn obligatorische Vorstellung oder ein selbstsicheres Auftreten in Gruppenarbeiten solltest Du vorher mit Freunden oder Deiner Familie ausprobieren.

  • Sei so authentisch wie möglich
    Mit ein wenig empathischem Verständnis kannst Du Dir bei vielen Fragen im persönlichen Gespräch mit dem Personalverantwortlichen schon denken, welche Antwort erwartet wird. Die Standard-Antworten, die Du dazu im Internet findest, hat er oder sie aber wahrscheinlich schon 100 Mal gehört und merkt sofort, dass sie nicht von Dir kommen. So ein vorbereitetes Frage-Antwort-Spiel bringt niemanden weiter und auch die Personaler lesen ihre Fragen nicht immer aus dem Lehrbuch ab. Vorbereitung ist natürlich wichtig, aber versuch dabei immer, “Du selbst” zu bleiben. Wenn Du es z.B. schaffst, den Personaler zum Schmunzeln zu bringen, hast Du deutlich mehr gewonnen, als mit einer auswendig gelernten Standardfloskel. Trau Dich, Deine echte Leidenschaft für das Ingenieurwesen zu zeigen, als ob Du Freunden davon erzählen würdest. Und trau Dich auch, selber Fragen zu stellen! Was findet Dein Gegenüber am Unternehmen besonders spannend? Wieso geht er oder sie jeden Tag gerne zur Arbeit? Damit signalisierst Du gleichzeitig echtes Interesse an der Stelle.

Kurz gesagt:
  • Du wirst zum Assessment Center eingeladen, weil Du mit Deinen Bewerbungsunterlagen und im Vorstellungsgespräch überzeugen konntest. Das alleine ist schon ein erster Erfolg! Geh also selbstbewusst in diesen Termin.
  • Während der 1–3-tägigen Dauer des AC musst Du verschiedene ingenieurtypische Aufgaben meistern und dabei gleichzeitig Deine Soft Skills unter Beweis stellen.
  • Damit Du Dich im Assessment Center gegen Deine Mitbewerber durchsetzt und so entspannt wie mögliche in diese ungewohnte Prüfungssituation gehst, solltest Du Dich gut vorbereiten: von der Organisation der Anreise, über eine knackige Selbstpräsentation und das ingenieurtechnische Knowhow für die Stelle bis hin zum Hintergrundwissen über das Unternehmen und die Mitarbeiter, die am AC teilnehmen.
 

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