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Die Karriere im Großkonzern passt nicht zu jedem

Interview mit Holger Langhans, Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer

Von Tim Lamkemeyer

 

 

In seinem Podcast ROCKETENGINEERS spricht Lennard Hermann alle 2 Wochen mit erfahrenen Ingenieuren, Führungskräften oder Beratern über die wichtigsten Learnings auf ihrem Berufsweg. Lennard hat an der RWTH Aachen mit einem Zwischenstopp in Kanada Maschinenbau studiert und arbeitet aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fertigungstechnik.

Diese Woche erfährst Du von Holger Langhans, wieso er von einem Großunternehmen mit über 3.500 Mitarbeitern zu einem KMU mit weniger als 50 Mitarbeitern gewechselt ist, welche Auswirkungen Jobwechsel auf das eigene Netzwerk haben und welche Eigenschaften er besonders an jungen Ingenieuren schätzt. Holger hat an der Berufsakademie Stuttgart Maschinenbau mit der Vertiefung Produktionstechnik studiert und arbeitet inzwischen als Geschäftsführer bei der Comara GmbH. Dort beschäftigt er sich mit Themen wie Fertigungsassistenzsystemen, intelligenten Fertigungsinfrastrukturen, dem Internet der Dinge und der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.



Holger Langhans


Experten-Tipp: Überleg Dir, ob Du wirklich der Typ für ein Großunternehmen bist

ROCKETENGINEERS: “Du hast den Schritt gewagt und bist von einem weltweit agierenden Konzern mit 3.500 Mitarbeitern zu einem kleinen Unternehmen gewechselt, das schwerpunktmäßig in der DACH-Region arbeitet. Welche Auswirkungen hatte dieser Wechsel für Dich?”

Holger Langhans: “[...] Du bist irgendwann an dem Punkt, an dem die Aufgabe zwar nicht weniger spannend geworden ist, aber das Umfeld ist nicht mehr so motivierend oder Du hast nicht mehr die Möglichkeiten, so voranzukommen, weil alles komplizierter geworden ist: Das ist eine Kombination aus Meetings, aus wechselnden Ansagen, die dann kommen, weil Führungspositionen wechseln usw. [...]

Das direkte Kundenfeedback hat mir aber auch gefehlt – positiv oder negativ – und die Komponente hatte ich bis dahin als Produktionsleiter gar nicht erlebt. Das war auch der Reiz mit dem Wechsel dann. Das ist ein Kulturthema, was für mich einfach nicht mehr gepasst hat. Ich will das jetzt nicht so negativ darstellen, aber das ist einfach die Großkonzern-Mentalität. Es müssen diese Prozesse da sein, aber das ist jetzt nicht meine Welt. Ich mache gerne den Unterschied und ich sehe auch gerne, was ich verändern konnte. [...]

Es ist jetzt eine ganz andere Kultur: Comara ist ein kleines Unternehmen, jeder kennt jeden – privat wie geschäftlich. Man hat per se eine Duz-Beziehung zu allen. Das ist alles zwischen Freundschaft und Job. Das verschwimmt total. Du hast schon manchmal gar nicht mehr das Gefühl, dass Du arbeitest, weil Du mit den Leuten so eng zusammenarbeitest und gar nicht mehr weißt, ob das jetzt privat oder geschäftlich ist.

Wenn Du ein Meeting hast, dann besprichst Du zu viert was am Tisch, entscheidest das und es wird umgesetzt. Du hast keine wahnsinnigen Strukturen, Hierarchien, Freigabeprozesse, Unterschriftsberechtigungen und alles, was da mit sich kommt. Das braucht ein großes Unternehmen, keine Frage. Das macht das Unternehmen, je größer es ist, aber auch immer träger. Du kommst schwieriger voran, weil die Prozesse einfach so sind. Und das hast Du bei kleinen Unternehmen mit sehr schlanken Strukturen gar nicht. Du verbringst die Hauptzeit Deines Tages mit Kunden und mit kundenorientierten Lösungen und nicht mit Meetings und Abstimmungen und Freigaben und sonstigen Dingen.”

So setzt Du es um

Schon während des Studiums träumen viele Ingenieur-Absolventen davon, nach dem Abschluss bei einem weltweit bekannten Automobil-, Flugzeug- oder Maschinenhersteller einzusteigen. Neben der Bekanntheit und dem positiven Image als Branchenführer gibt es viele pragmatische Gründe dafür:

  • Das jährliche Einstiegsgehalt für Ingenieure ist in einem Konzern durchschnittlich 7.400 € höher als in einem KMU.
  • In einem Großunternehmen ist der Arbeitsplatz häufig besser gegen Krisen geschützt.
  • Man kann innerhalb des Unternehmens die Abteilung wechseln und immer weiter aufsteigen.
  • Es gibt vielleicht Benefits wie ein eigenes Gym, einen Betriebskindergarten oder die Möglichkeit, ein Sabbatical einzulegen.
  • Es sieht im Lebenslauf gut aus, wenn Du bei einem Global Player in der Entwicklung, Produktion oder im Qualitätsmanagement gearbeitet hast.
  • Und viele Absolventen gehen davon aus, dass die bekannten Unternehmen innovativer arbeiten können als ein kleines Familienunternehmen.

Die meisten dieser Punkte treffen tatsächlich – mal mehr und mal weniger ausgeprägt – auf die Arbeit in einem Konzern zu. Und wenn Du langfristig eine Karriere als Manager abseits Deiner ursprünglichen Ingenieur-Arbeit anstrebst, bist Du im Konzern wahrscheinlich richtig. Wenn Du dagegen eher Wert auf schlanke Prozesse, eine gewisse Selbstwirksamkeit durch das Umsetzen eigener Impulse oder den direkten Draht zur Geschäftsführung legst, solltest Du auch darüber nachdenken, ob Du nicht doch in einem inhabergeführten OEM oder in einem Startup glücklicher wirst. Je nach Unternehmensgröße trägst Du hier als vielleicht einziger Ingenieur nämlich deutlich mehr Verantwortung und kannst von Anfang an aktiv dazu beitragen, Produkte zu verbessern oder Innovationen voranzutreiben, die in einem Konzern vielleicht noch in einem Genehmigungsprozess stecken.

Um herauszufinden, ob Du Dich eher in den gewachsenen Strukturen eines Konzerns mit einem klar definierten Aufgabenbereich wohlfühlst oder ob Du lieber in einem KMU der Ingenieur für alle Fälle sein möchtest, der eigene Ideen zeitnah umsetzen kann, ist es sinnvoll, wenn Du bei Deinen Nebentätigkeiten auch auf unterschiedliche Unternehmensgrößen achtest. Wenn Du bisher bei der Suche nach dem nächsten Praktikum oder einer Werkstudentenstelle darauf geguckt hast, dass Dein Fachbereich, Deine Vertiefungen und die beschriebenen Aufgaben zu Deinem Studium passen, kannst Du in diese Checkliste auch noch die Unternehmensgröße mit aufnehmen.

Auch, wenn Dein Praktikum nur 2 Wochen oder einen Monat dauert, kannst Du in dieser Zeit schon ein gutes Gespür dafür entwickeln, welches Unternehmensumfeld zu Dir passen könnte: Legst Du Wert auf Flexibilität oder erleichtern Dir klare Organisationsstrukturen die Arbeit? Wie viel Nähe oder Distanz zu den Kollegen und Vorgesetzten ist im Arbeitsalltag angenehm? Wie wird die Work-Life-Balance gelebt und passt sie zu Deinen Rhythmus? Werden einzelne Mitarbeiter gehört und machen sie einen motivierten Eindruck?

Du solltest Dich nicht nur wegen der statistisch besseren Gehaltsaussichten auf Jobs in einem Konzern bewerben – zumal es eher die Ausnahme ist, dass man als Absolvent direkt bei einem Global Player anfängt. Mach Dir vor dem Berufseinstieg Gedanken, welche Arbeitsweise und Philosophie zu Deinen persönlichen Vorstellungen von einem idealen Arbeitgeber passt und versuche, Praxiserfahrung nicht nur in verschiedenen Berufsfeldern, sondern auch bei Arbeitgebern unterschiedlicher Größe zu sammeln. Und wenn Du nach einigen Jahren im Job dann doch feststellst, dass Du etwas Neues ausprobieren möchtest, hast Du immer noch die Möglichkeit, Dich umzuorientieren – genau wie Holger Langhans.

Das ganze Interview im Podcast anhören

Holger Langhans war Produktionsleiter bei einem Global Player und ist jetzt Geschäftsführer in einem KMU. In Folge 66 im ROCKETENGINEERS Podcast erzählt er Dir, worin sich die Arbeit je nach Unternehmensgröße unterscheidet, welche Faktoren bei seinem Jobwechsel eine Rolle gespielt haben und welchen Einfluss der Wechsel des Arbeitgebers auf das eigene Netzwerk hat.

Darum geht’s in Folge #66
  • 01:00 – Holger Langhans stellt sich vor
  • 13:30 – Wie kam es bei ihm zu der Entscheidung, das Unternehmen zu wechseln?
  • 19:00 – Welche Auswirkungen hat ein Jobwechsel?
  • 26:30 – Welche Eigenschaften sind ihm bei jungen Ingenieuren besonders wichtig?
  • 29:15 – Was kannst Du ab morgen anders machen, um Deiner Karriere neuen Schwung zu verleihen?

    Gesamtlänge der Folge: 33:30 Min
 

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