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Interview mit Dr. Ina Terwey, Maschinenbauingenieurin und Director Product & Industry Segment Management

Von Tim Lamkemeyer

 

 

In seinem Podcast ROCKETENGINEERS spricht Lennard Hermann alle 2 Wochen mit erfahrenen Ingenieuren, Führungskräften oder Beratern über die wichtigsten Learnings auf ihrem Berufsweg. Lennard hat an der RWTH Aachen mit einem Zwischenstopp in Kanada Maschinenbau studiert und arbeitet aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fertigungstechnik.

Diese Woche erfährst Du von Dr. Ina Terwey, wieso es für Führungskräfte sinnvoll ist, sich zu Beginn der Karriere technisches Knowhow zu erarbeiten, welche Gründe für eine Promotion sprechen und warum die richtige Kommunikation für den Projekterfolg entscheidend ist. Ina hat an der TU Dortmund Maschinenbau studiert und arbeitet inzwischen als Director Product & Industry Segment Management, Sales Area Central Europe bei Sandvik Coromant – Teil der globalen Unternehmensgruppe Sandvik und Weltmarktführer für Werkzeuge und Zerspanungslösungen.


                  Dr. Ina Terwey


Experten-Tipp: Informiere Dich, ob ein Unternehmen wirklich zu Dir und Deiner Vorstellung passt.

ROCKETENGINEERS: “Was sind denn so die Unterschiede zwischen einem typisch deutschen Unternehmen und dem schwedischen oder skandinavischen Stil, wie Sandvik ihm folgt?”

Dr. Ina Terwey: “Ein großer Unterschied, was glaube ich für viele untypisch ist, ist die Duz-Kultur. Es ist egal, auf welchem Kontinent, in welchem Land und welchem Markt man sich befindet: Es wird sich geduzt. Das wird auch in den Ländern durchgezogen, in denen es eigentlich eine Siez-Kultur gibt.

Das mag sich am Anfang sehr komisch anfühlen. Das führt aber nicht dazu, dass man zu freundschaftlich miteinander umgeht – es ist trotzdem ein sehr professionelles berufliches Umfeld. Aber es macht was mit einem. Es ist schon gleichwertiger und das beschreibt auch diese Kultur, dass alle gleich sind, dass alle gleichberechtigt sind, dass jede Meinung wichtig ist. Es ist eher eine Konsens-Kultur.

Wenn Entscheidungen getroffen werden, dann eher im Team. Das Team ist der Fokus und der Umgang ist nicht von top-down geprägt, wie man es manchmal nennt. In Projektteams ist der Projektleiter z.B. derjenige, der alles lenkt und zusammenfasst, aber die Entscheidung wird wirklich im Team gefällt. Das kostet natürlich auch manchmal mehr Zeit, aber wenn man dann wirklich alle hinter der Entscheidung hat, kann man auf jeden Fall Geschwindigkeit aufnehmen.”

Unser Tipp: Informiere Dich über die Unternehmenskultur

Wenn Du nach dem Studium in Deinen ersten Ingenieur-Job startest, ist das für Dich und alle anderen Berufseinsteiger eine ungewohnte Situation: Wie werden Projekte bei Deinem Arbeitgeber angegangen? Ist es im Unternehmen gewünscht, dass Du als frischgebackener Absolvent direkt bestehende Prozesse umkrempelst? Musst Du Dir jeden Tag ein Business-Outfit anziehen, obwohl Du sonst eher der Hoodie-Typ bist? Und welche Kommunikationsstrukturen mit Deinen Vorgesetzten sind einzuhalten, wenn Du z.B. Optimierungspotenzial in der Produktion findest?

Du hast vielleicht schon erste Erfahrungen mit unterschiedlichen Führungskräften und Unternehmenswerten gesammelt, wenn Du z.B. Werkstudent gearbeitet hast – und hast dabei festgestellt, dass Du mit manchen Führungsstilen oder Arbeitsweisen besser klar kommst als mit anderen. Die Bandbreite unterschiedlicher Stile und Unternehmenswerte ist nämlich ungefähr genauso breit gefächert wie Deine Aufgaben als Ingenieur und jeder hat Arbeitsumfelder, die ihm besser liegen als andere. So fühlen sich z.B. manche Ingenieure in großen Konzernen mit einem ganz klar abgegrenzten Aufgabenbereich, festen Strukturen und einer rein beruflichen Beziehung zu den Kollegen am wohlsten, während andere lieber in einem hippen Startup mit breitem Aufgabenfeld, freundschaftlicher Atmosphäre und kooperativ getroffenen Entscheidungen arbeiten.

Bevor Du einen neuen Job anfängst, solltest Du deshalb sicherstellen, dass es nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich zwischen Dir und dem Unternehmen "funkt" und dass Ihr ähnliche Vorstellungen von der Zusammenarbeit und den Arbeitsweisen habt. Auch, wenn Du mit Deinem Skillset perfekt zu den eingesetzten Technologien passt, ist es genauso wichtig, dass das Drumherum stimmt und Du auf der gleichen Wellenlänge wie Deine Kollegen und Vorgesetzten bist, damit Du Dein volles Potenzial entfalten kannst, ohne Dich verstellen zu müssen und jeden Tag gern zur Arbeit gehst.

Ob ein Unternehmen locker-lässig ist und die Kollegen eher freundschaftlich zusammenarbeiten oder ob Du von oben klare Strukturen vorgegeben bekommst und die Atmosphäre professionell-distanziert ist, kannst Du schon im Vorfeld herausfinden:

  • Schau im Bewerbungsprozess genau hin.
    Ist die Stellenausschreibung locker geschrieben und Du wirst als potenzieller neuer Mitarbeiter direkt selbstverständlich geduzt, kannst Du davon ausgehen, dass diese Ansprache und Umgangsform zumindest in Deiner Abteilung und mit Deinen direkten Vorgesetzten üblich ist. Wenn Du dagegen schon in der Einsatzbeschreibung mit "Sie" angesprochen wirst, solltest Du im Bewerbungsgespräch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und dem Personalverantwortlichen, Forschungsleiter oder Geschäftsführer das "Du" anbieten, nur weil Du es z.B. von Deinem vorherigen Arbeitgeber so kennst.

    Das Bewerbungsgespräch ist übrigens auch Deine Möglichkeit, Fragen zu den Abläufen, zum Umgang mit Innovationen oder dem Kollegenzusammenhalt zu stellen. Dafür musst Du Dir natürlich im ersten Schritt bewusst machen, worauf es Dir bei der Zusammenarbeit mit den Kollegen oder etwa der Entwicklung von neuen Geschäftsstrategien ankommt: Wie viel Nähe oder Distanz möchtest Du zu Deinen Kollegen und Vorgesetzten haben? Möchtest Du Privates und Berufliches strikt voneinander trennen oder bist Du auch im Büro eher ein geselliger Typ? Und brauchst Du klare Ansagen von oben oder willst Du gern in Entscheidungen mit einbezogen werden? Wenn Du auf diese Fragen eine Antwort gefunden hast, ist das Bewerbungsgespräch der ideale Ort um herauszufinden, ob das Unternehmen auch wirklich zu Deinen Vorstellungen passt.

    Generell gilt die Faustregel, dass der Umgang in größeren Unternehmen förmlicher ist und es festere Strukturen und weniger Entscheidungsspielräume gibt als etwa bei einem kleinen Startup oder einem mittelständischen Unternehmen. Ausnahmen bestätigen hier aber natürlich die Regel.

  • Schau Dir an, wie sich das Unternehmen online präsentiert

    Die meisten Unternehmen nutzen ihren Auftritt in sozialen oder beruflichen Netzwerken sowie Unternehmensprofile in Karriereportalen gezielt, um potenziellen neuen Mitarbeitern einen Einblick in ihr Team, das Projektmanagement, die Produktion, die Forschungsabteilung oder generell den Unternehmensalltag zu geben. Hier kannst Du einen ersten Einblick gewinnen, ob ein Arbeitgeber mit seinen Werten zu Deinen Vorstellungen passt und kannst für Dich entscheiden, ob das Unternehmen für Dich infrage kommt.

    Dieser Einblick hat natürlich immer einen gewissen Marketing-Einfluss – und deshalb solltest Du Dich nicht ausschließlich auf ihn verlassen. Guck am besten auch noch, wie (ehemaliger) Mitarbeitern das Unternehmen in Bewertungsportalen bewerten und nimm auf Jobmessen persönlich Kontakt zu Unternehmensvertretern auf. Das hat auch noch einen weiteren Pluspunkt: Du lernst auf diese Weise schon Deine zukünftigen Kollegen kennen und kannst checken, ob neben Deinen fachlichen Skills und den Unternehmenswerten auch die Sympathie stimmt.

Kein Ingenieur-Unternehmen tickt wie das andere – und für innovative Arbeit ist es wichtig, dass Du Dich in der Kultur des Unternehmens, in dem Du täglich arbeitest, wohl fühlst. Informier Dich also am besten bereits vor der Vertragsunterzeichnung nicht nur über die eingesetzten Technologien, Produktionstechniken oder Produkte, sondern auch über die vorherrschenden Führungsstile, Umgangsformen, Arbeits- und Kommunikationsweisen.

Das ganze Interview im Podcast anhören

Dr. Ina Terwey hat erst promoviert und arbeitet jetzt seit 10 Jahren bei Sandvik Coromant – Teil der globalen schwedischen Unternehmensgruppe Sandvik und Weltmarktführer für Werkzeuge und Zerspanungslösungen. In Folge 63 im ROCKETENGINEERS Podcast erzählt sie Dir, wieso sie sich nach dem Diplom für eine Promotion entschieden hat, wie Du Sichtbarkeit erzeugen und eine steile Karriere hinlegen kannst und wie die richtige Kommunikation dabei hilft, effizient zu arbeiten.

Darum geht’s in Folge #63
  • 01:00 – Ina Terwey stellt sich vor
  • 03:15 – Was macht man als Director Product & Industry Segment Management, Sales Area Central Europe?
  • 06:30 – Wieso ist es für Führungskräfte sinnvoll, vor der Management-Laufbahn auch technisch gearbeitet zu haben?
  • 07:00 – Wieso hat sie sich für die Promotion entschieden?
  • 09:45 – Welche Learnings gab es für sie beim Wechsel von der Hochschule ins Unternehmen?
  • 11:30 – Welche Unterschiede gibt es zwischen deutschen und schwedischen Unternehmen?
  • 15:00 – Wieso ist die richtige Kommunikation im Unternehmens entscheidend für die Effizienz der Arbeit?
  • 17:00 – Wie wichtig ist die Unternehmenskultur für die eigene Arbeit?
  • 17:30 – Woran liegt es, dass sie in manchen Positionen länger und in anderen kürzer gearbeitet hat?
  • 19:00 – Wie kann man im Unternehmen Sichtbarkeit erzeugen?
  • 21:00 – Wie schafft man es auch als introvertierter Ingenieur, die eigene Leistung für die Führungskräfte sichtbar zu machen?
  • 22:15 – Wieso sollte man auch Feedback “nach oben” geben?
  • 23:30 – Wie wichtig ist es, dass man nicht nur den eigenen Fachbereich im Blick behält, sondern auch mal nach links und rechts schaut?
  • 25:30 – Welche Grundeinstellung sollte man mitbringen, um in einem Unternehmen mehr Verantwortung zu bekommen?
  • 27:30 – Was kann man ab morgen anders machen, um seiner Karriere neuen Schwung zu verleihen?

    Gesamtlänge der Folge: 31:15 Min
 

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