Wie sieht der Arbeitsmarkt für Ingenieure 2026 aus?

Deine Aussichten nach dem ingenieurwissenschaftlichen Studium

Tim Lamkemeyer
Ein Mann beim messen von elektrischer Spannung.

Hatte sich die Situation vor einigen Jahren aus Arbeitgebersicht etwas entspannt, zeigt der Ingenieurarbeitsmarkt 2026 ein zwiespältiges Bild. Vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl der Ingenieur:innen hat eine deutliche Veränderung erlebt. Laut unserer aktuellen Arbeitsmarktstudie schätzten 2021 noch 73 % ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut oder sehr gut ein. 2026 sind es nur noch 35 %.

Und auch der VDI/IW-Ingenieurmonitor für das vierte Quartal 2025 (veröffentlicht im Sommer 2026) zeigt: Die Arbeitslosigkeit in Ingenieur- und IT-Berufen ist im Vergleich zum Vorjahr um 16,7 % gestiegen – der höchste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Auf insgesamt 96.760 offene Stellen (18,2 % weniger als im Vorjahr) kommen mittlerweile 58.392 Arbeitslose. Dennoch spricht der VDI weiterhin von einem Fachkräftemangel in Schlüsselbranchen.

Der Grund: die Entwicklung fällt je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich aus. Besonders betroffen vom Rückgang sind IT-Berufe sowie die Kunststoff- und Chemieindustrie, während die Zahl der offenen Stellen in den Bauingenieurberufen im Vergleich zum Vorjahr nur um 3,8 % zurückging. Es gilt also weiterhin: In Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur kommen mit Abstand die meisten offenen Stellen auf arbeitsuchende Fachkräfte – der größte Engpass unter allen Ingenieurberufen.

Neue Arbeitsplätze entstehen weiterhin vor allem durch:

  • Industrie 4.0,
  • umweltfreundliche Technologien,
  • Erneuerbare Energien,
  • KI,
  • autonomes Fahren,
  • Robotik,
  • sowie neue Recycling-Systeme.

Wirtschaftslage

Deutschland ist eine Industrienation. Die deutsche Maschinenbaubranche gehört zu den Top 3 weltweit. Unsere Automobilindustrie ist mit einem Jahresumsatz von 564 Milliarden Euro gemessen an den Produktionszahlen international 2023 auf Platz 6, betrachtet man nur PKW sogar auf Platz 4. Besonders die Elektroindustrie vergrößert sich rasant. Laut dem Verband der Elektrotechnik werden in den nächsten 10 Jahren 100.000 zusätzliche Elektroingenieur:innen benötigt. Das liegt vor allem an Megatrends, die sich gegenseitig ergänzen, wie der zunehmenden Digitalisierung im Bereich des Maschinenbaus, Smart Grid und der Industrie 4.0. Zur Zeit gibt es ca. 900.000 Beschäftigte in der Elektrotechnik- und Elektroindustrie.

Im ersten Quartal 2024 gab es laut VDI ca. 148.000 offene Ingieneur-Stellen. Besonders gefragt sind auf dem Arbeitsmarkt Energie- und Elektrotechniker:innen. Hier kamen auf 100 verfügbare Arbeitskräfte 558 offene Stellen.

Insgesamt stehen die Aussichten gut, dass das traditionsreiche Ingenieurwesen auch in Zukunft deutschlands industrieller "Antrieb" bleibt – vorausgesetzt, der digitale Wandel wird smart gestaltet und branchenübergreifend vorangetrieben. Aktuell verdienen Ingenieur:innen bei ihrem Berufseinstieg im Durchschnitt 51.800 € im Jahr. Vor allem die Automobilindustrie und die Chemische Industrie bieten überdurchschnittliche Einstiegsgehälter für Ingenieur:innen. In welcher Branche und in welchem Beruf Du wieviel verdienen kannst, siehst Du in unserer Statistik.

Berufsaussichten

Deine Aussichten als Absolvent:in eines ingenieurwissenschaftlichen Studiengangs sind trotz der aktuell angespannteren Lage insgesamt weiterhin solide. Du hast im Branchenvergleich einen überdurchschnittlich gut bezahlten Job – auch wenn sich der Arbeitsmarkt seit 2021 spürbar verändert hat. Gut ausgebildete Fachkräfte werden je nach Fachrichtung weiterhin dringend gesucht, allerdings mit großen Unterschieden zwischen den Bereichen. Besonders gefragt sind Expert:innen

  • im Bauingenieurwesen,
  • in der Energie- und Elektrotechnik,
  • in der Automatisierungstechnik,
  • in der Versorgungstechnik,
  • sowie in der Metall- und Schweißtechnik.

Weniger rosig sieht es dagegen in der Automobilindustrie, der Kunststoffherstellung und der chemischen Indrustrie aus. Hier ist die Zahl der offenen Stellen zuletzt am stärksten zurückgegangen, unter anderem aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage im Fahrzeugbau, die bsonders Bayern und Baden-Württemberg trifft.

Die meisten Arbeitsstellen für Berufseinsteigende gibt es weiterhin – schon wegen der Größe des jeweiligen Fachbereichs – im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Bauwesen. Besonders im Bauingenieurwesen kommen mit Abstand die meisten offenen Stellen auf arbeitsuchende Fachkräfte, während die Zahl der Absolvent:innen im Vergleich zum Bedarf gering bleibt. Insgesamt gibt es aktuell (Q4 2025) rund 96.760 offene Stellen für Ingenieur- und IT-Berufe zusammen – davon rund drei Viertel in klassischen Ingenieurberufen. Die meisten offenen Jobs gibt es weiterhin in Bayern und Baden-Württemberg, auch wenn beide Bundesländer aktuell die stärksten Rückgänge verzeichnen.

Fazit

Um das Jahr 2010 wurde immer wieder ein "Ingenieur:innenmangel" beschworen. Die Befürchtung, dass es in einigen Jahren hunderttausende fehlende Fachkräfte im Ingenieurwesen geben würde, trat jedoch nicht ein. Der Bedarf an Fachkräften fällt je nach Branche und Spezialisierungsgrad sehr unterschiedlich aus und ist teilweise weiterhin dringend – auch wenn die Konjunkturflaute seit 2024/2025 spürbare Bremsspuren hinterlassen hat.

Echte Nachwuchsprobleme hat nach wie vor das Bauwesen, während andere Bereiche wie die Automobilbranche, die Kunststoffherstellung und die chemische Industrie momentan eher mit Stellenabbau als mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Aktuell (Q4 2025) kommen bundesweit rund 166 offene Stellen auf 100 Arbeitslose in Ingenieur- und IT-Berufen – ein Rückgang gegenüber den Vorjahren, aber immer noch ein deutlicher Engpass. Einen flächendeckenden Mangel an Ingenieur:innen gibt es in Deutschland also weiterhin nicht, wohl aber punktuelle, teils erhebliche Engpässe in einzelnen Fachrichtungen wie dem Bauwesen sowie der Energie- und Elektrotechnik.

Aktuell stehen die Chancen also differenzierter: wer in einer gefragten Fachrichtung unterwegs ist, findet weiterhin vergleichsweise leicht eine passende Stelle. In konjunktursensiblen Branchen kann die Suche dagegen länger dauern. Langfristig bleibt der VDI aber zuversichtlich: Digitalisierung, Klimaschutz, demografischer Wandel und Infrastruktur-Investitionen dürften den Bedarf an Ingenieur:innen in den kommenden Jahren wieder steigen lassen.

Quellen:

  • VDI/IW-Ingenieurmonitor 2025, Quartal IIII
  • VDI/IW-Ingenieurmonitor 2025, Quartal IV
Kurz gesagt:
  • Auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieur:innen bestehen trotz gestiegener Arbeitslosigkeit weiterhin Fachkräfte-Engpässe, allerdings stark unterschiedlich je nach Fachrichtung.
  • Besonders gefragt sind weiterhin Talente in der Energie- und Elektrotechnik, im Bauingenieurwesen sowie in der Automatisierungstechnik, während die Nachfrage in der Automobilindustrie und der chemischen Industrie zuletzt spürbar zurückgegangen ist.
  • Durch Trends wie KI, Erneuerbare Energien und Infrastruktur-Investitionen entstehen weiterhin neue Arbeitsplätze für Ingenieur-Absolvent:innen – langfristig rechnet der VDI wieder mit steigendem Bedarf.